14. November 2014

Männer im Baumarkt

Alles begann mit einem harmlosen Aluminium-Klebeband. Eine Odyssee im Handel machte mir schnell klar: Die schärfsten Genzgängereien erlebt man inzwischen beim Einkaufen. Bevor ich in diesem Blog loslege mit einer Miniserie über das Einkaufen zwischen stationärem Einzelhandel und Onlinehandel, zwischen dem kleinen Kruschtelladen und dem Megakaufhaus Amazon, muss ich aber unbedingt meine Geschichte mit dem Klebeband loswerden. Die ist so hart, dass sie für viele ähnliche Situationen stehen kann.


Manchmal sucht man vergeblich nach einem wichtigen Produkt. In meinem Fall war das hitzebeständiges Aluminiumklebeband. Wenn ich in den hiesigen Baumärkten je welches fand, so war absolut nicht zu eruieren, wie viel Grad es verträgt. Eigentlich will ich nur ein winzig kleines Löchlein an einem Abluftrohr der Heizung stopfen und mir die hohen Monteurskosten sparen - der das auch nicht anders macht, bevor er gleich das ganze Rohr austauscht. Eine Googlerecherche ergab, dass ich sämtliche Alubänder nach Wunsch erstaunlich preiswert bei Amazon bestellen kann. Aber musste es unbedingt das Online-Mega-Kaufhaus sein?

Ich bin bis heute rund 120 Kilometer gefahren, habe zig Telefonate hinter mir, einen ganzen Arbeitstag geopfert und schließlich mein Aluband bekommen. Es kostete genau vier mal so viel als bei Amazon. Ökologisch und verdiensttechnisch gesehen ist es das teuerste Klebeband, das ich je besessen habe - vielleicht werde ich aus dem Rest Schmuckstücke kreieren?

Gestern im Pfälzer Baumarkt:
Ich frage einen der zahlreichen herumstehenden männlichen Mitarbeiter, wo ich hitzebeständiges Aluklebeband finden könne oder Heizungszubehör.
Er so: Klebeband haben wir viel, was wollen Sie denn basteln?
Ich: Ich will nicht basteln (erkläre den Sachverhalt) - ich will gefahrfrei eine Reparatur durchführen .
Er: Soso, sie haben also ein Loch im Rohr.
Ich: Ein winziges.
Er: Was ist denn das für ein Rohr?
Ich: Hab ich doch schon gesagt - die Zuführung zum Kamin bei einer Ölheizung. Das wird also schon ein wenig warm. Und deshalb brauche ich hitzebeständiges Aluband.
Er lacht wie beschickert: Hehehe, sie wollen doch nicht das Loch zukleben! Gute Frau, das ist für den Kaminfeger, müssen Sie wissen. Das braucht der für seine Arbeit. Das muss so sein. Da müssen Sie die Fingerchen weglassen, sonst wird der Schornsteinfeger sehr böse. Er kichert immer noch.
Ich: Glauben Sie mir, ich kann auch ohne Lesebrille eine Wartungsöffnung von einem kleinen Loch unterscheiden, das da nicht hingehört. Haben Sie nun Aluband oder nicht?
Er: Da sollten Sie besser einen Mann reparieren lassen!
Er führt mich zum Klebeband-Display und meint: Das Kreppband wird auch gern zum Basteln genommen!
Ich: Wissen Sie was? Ich gehe jetzt und kaufe mein Aluband online, denn veralbern kann ich mich selbst. Und das Kreppband schnappen Sie sich mal und kleben sich damit das Mundwerk zu, bevor sie nochmal eine Frau für doof halten, nur weil sie eine Frau ist. Aber nehmen sie das extra Haltbare für ihre freche Gosch, damit auch Ihre Frau noch was davon hat.

Ich habe dann zuhause herumtelefoniert, ob jemand zufällig einen Heizungsmonteur kennt und weiß, wo die einkaufen. Und dann hatte ich die Adresse im Elsass, die ich selbst nie gefunden hätte, weil sie hinter einem Schrottplatz liegt. Groß- und Einzelhandel, ein Laden, der so verkruschtelt und eng befüllt ist, dass man nicht einmal mit Navi finden würde, was man braucht. Also frage ich wieder freundlich nach dem Klebeband. Und der Chef will natürlich wissen, wofür genau ich das brauche. Er hört mir zu und nickt und meint - ja, dafür sei meine Idee mit dem Aluband genau die richtige. Aber ob ich wisse, dass mich das nur eine Weile rette. Ich lache und meine, na ja, das ist auch nur als Provisorium gedacht.
Während er mich bittet, ihm durch das Gewirr der schmalen Gänge zu folgen, scherzt er, weil er gemerkt hat, dass ich Deutsche bin (mein Ofenfachfranzösisch ist recht begrenzt): "Wissen Sie, wie wir das im Elsass nennen, was Sie machen? Provisoire auf Lebenszeit! Wenn Sie das richtig sauber und fest verkleben, hält das Rohr vielleicht noch ein, zwei Generationen!"
Ein gezielter Griff - ich habe mein Klebeband und strahle glücklich. Und muss nun auch ein Kompliment machen, dass ich positiv überrascht bin, was der Laden alles hat.
Er: Wenn Sie wieder mal etwas suchen, von dem Sie glauben, es sei nirgends zu finden, kommen Sie her. Ich finde in meinem Laden alles, und wenn nicht dort, dann im Lager. Auch, wenn sie Maschinen brauchen oder größere Mengen für den Bau.

Da geht Madame wieder hin. Weil sie sich ernstgenommen fühlt, auch als Frau. Weil sie zum Einkauf noch gute Tipps bekommt und man ihr genau das Passende empfiehlt. Und dass der Inhaber mir nicht gesagt hat, dass er sogar Küchengeräte und Backformen verkauft, rechne ich ihm sehr hoch an.