17. Oktober 2014

Der Reiz des Untergangs

Eine Fotostrecke verlassener, verfallender Orte macht gerade bei Facebook die Runde: "The 38 Most Haunted Places in The World". Marode und verfallende, vom Menschen geschaffene Werke üben einen eigenartigen Reiz auf uns aus. Wir werden mit der eigentlichen Vergänglichkeit konfrontiert und erfahren vielleicht, wie schnell das gestern noch hochgelobte Projekt morgen schon Müll sein kann. Verfallende Vergnügungsparks in Japan oder selbst bei Disney sind davor ebenso wenig gefeit wie Kirchen und Bahnhöfe - einst von Menschenmassen genutzt. Der Mensch ist eigentlich nicht mehr als ein klitzekleiner, überflüssiger Popel auf diesem Planeten: Die Natur holt sich selbst die chinesische Mauer zurück und auch Pripjat, die Geisterstadt, die vom SuperGAU in Tschernobyl auf alle denkbaren Zeiten hin unbewohnbar gemacht wurde.
Solche Aufnahmen geraten durchaus zu Mahnmalen, die teilweise schaurige Geschichten erzählen über Hybris und über den Wahn des Machbaren: die Raketenfabrik in Russland, die Irrenanstalt mit den grusligen Apparaturen und Pritschen in New York oder die Minenarbeitersiedlung in Japan. Und dann sind da die schaurig schönen, weil so irreal wie aus einem Fantasyfilm wirkenden Aufnahmen: der italienische Christus, der am Meeresgrund schwebt, ein kolumbianisches Hotel, das Militärkrankenhaus von Beelitz oder eine chinesische Unterwasserstadt. Es sind Orte wie geschaffen zum Träumen. Allen Fotos gemeinsam ist: Der Mensch hat seine Bauwerke längst verlassen, die Natur holt sich das Menschenerschaffene zurück. Was einmal wichtig schien und unverzichtbar, zerfällt, löst sich auf oder bleibt als problematische Altlast einfach liegen.

Mich selbst faszinieren Industriebrachen, verlassene Häuser, Zerfallendes und Ruinen. Die folgenden Aufnahmen entstanden vor Jahren während Recherchen auf dem Gelände des ehemaligen Erdöl-Förderungsgeländes im elsässischen Merkwiller-Pechelbronn. Nicht alles ist öffentlich zugänglich. In diesem Eröldorf nutzte man bereits im Mittelalter Naturasphalt und Rohöl (damals eher medizinisch), dort lag die erste industriell ausgebeutete Ölquelle der Welt. In Merkwiller-Pechelbronn erfand man den Bohrturm lange vor den Amerikanern und exportierte schließlich das Know-How und Facharbeiter nach Kalifornien und Texas. Doch mit dem Ölrausch kam auch die Umweltzerstörung und mit billigem Öl aus Russland schließlich der Untergang: Die Raffinerie wurde in den 1970ern aufgegeben und zurückgebaut. Heute erzählen nur noch Ruinen und das Nationale Erdölmuseum die fast vergessene Geschichte.

Eine andere Fotoserie aus dem "Erdölland" von mir: Die Zone
Hier unten Aufnahmen aus der frühesten modernen Raffinerie, erste Hälfte 19. Jahrhundert, und von einem gesperrten Platz - wo mich dankenswerterweise das Museumspersonal für einen Zeitungsbericht hat fotografieren lassen.




Manchmal verbinden sich Relikte der Vergangenheit mit Menschenzeichen aus der Gegenwart:



Maschinen verrotten zuletzt ...




2. Oktober 2014

Abgelauscht ...

... bei 26 Grad im Schatten:

--- Vo mir üs kennt's Summer bliwe!
--- Des isch net gued.
--- Worum?
--- Des macht d'Natur kabutt!
--- Worum?
--- Weil mer dann nur noch e Natur mit Ungeziefer hen.

(Übersetzungsversuch: Von mir aus könnte es Sommer bleiben! - Das ist nicht gut. - Warum? - Das macht die Natur kaputt. - Warum? - Weil wir dann nur noch eine Natur mit Ungeziefer haben werden.)