22. Juni 2014

Geschenk für meine LeserInnen

Wer mein Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" gelesen hat, wird womöglich zur Sommersonnenwende schon seinen eigenen Nüssle nach dem Rezept im Buch angesetzt haben. Im Kapitel über den Juni in der Region von Thann, den Ballons oder Belchen erzähle ich nicht nur von alten Sonnwendbräuchen und modernen Fehlinterpretationen, ich spendiere darin auch mein Rezept für Lindenblütenbowle sowie das "Nussewasser", jenen asterixgleichen, magischen Trank, der gegen Verdauungsprobleme ebenso hilft wie gegen eingebildete Krankheiten. Hergestellt wird er traditionell um die Sommersonnenwende herum, mit grünen, also unreifen Walnüssen.

Wenn Nüsse reif sind, ist der Nüssle längst sattbraun im Einmachglas gereift.
Die eigenen Geheimrezepte der besonders feinen Art behält man meist für sich - und ich will auch gar nicht langweilen damit, dass ich den Nüssli in einem Jahr schon mal mit grünem Anis und Zimt in eine pfiffigere Richtung würzte - und im anderen auf die weiche Milde von Bourbonvanille schwor - immer zusätzlich zu den im Buch genannten Spezereien. Auch der Alkohol spielt eine große Rolle. An dessen Qualität sollte man nicht sparen, weil der Nüssle mit den Jahren immer besser wird. Ich benutze einen guten Wodka oder allenfalls Obstbrand, weil der Untergrund nicht vorschmecken soll, verwende nur besten Rohrzucker für die Süße. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch mit einem Rum und braunem Kandis experimentieren könnte! Übrigens: Je besser und älter der Nüssle, desto weniger Zucker braucht's überhaupt!

Als kleines Dankeschön möchte ich meinen treuen Leserinnen und Lesern heute eine Variation verraten, die ich aus dem Kloster Oberbronn habe. Dort lebte damals eine schon rund 90jährige Nonne, die sich wie ein altes Kräuterweiblein bestens mit Heilmitteln und Leckereien aus der Natur auskannte und sie herstellte. Ich fürchte, ihren Wissensschatz hat sie mit ins Grab genommen, denn sie selbst wollte über ihre Rezepte nie reden. Eine Mitschwester hat mir verraten, wie man den Nüssle so aufpeppt, dass er zu einem wahren Lebenselixir würde. Ob er auch verjüngen kann? Das müsste man wohl den Beichtvater fragen, der ihn gern probiert hat.

In der "Oberbronner Variante" wird auf hochprozentigem Alkohol mit ein paar Rosinen angesetzt, dann aber mit Rotwein verdünnt. Ingwer, grüner Anis, Zimt und Nelken sind hier die Hauptgewürze. Der Clou: Man lässt im Schnaps Kaffeebohnen und Orangen mitziehen, letztere mitsamt Schale, in die man große, tiefe Löcher piekt. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass die Orangen dafür absolut aus Bioanbau stammen sollten und kein bißchen gespritzt sein dürfen. Wer diese Garantie nicht hat, schält sie besser! Kein Vergnügen ist das Abfiltern, bei dem alle Trübstoffe entfernt werden müssen. Mein Trick, damit es schneller geht: Zuerst durch ein Sieb abgießen. Dann das Ganze durch ständig erneuerte Baumwollwatte in einem Trichter filtern. Und erst danach mit Filterpapier arbeiten, das jedoch ständig ausgewechselt werden muss, weil es sich zusetzt.

So einfach geht das ... fertig ist das Lebenswasser! Und damit es zum echten Galliertrank wird, braucht es natürlich die richtigen Zaubersprüche von Miraculix.

Das Grundrezept verpasst? Neugierig auf die elsässischen Sonnwendtraditionen? Mein Buch ist als TB im Insel Verlag erschienen und als Kindle-E-Book mit wenigen Mausklicks sofort zu lesen: hier!

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