18. November 2013

Wenn Schönheit weh tut ... ist das Glück?

Die ARD fragt in einer Themenwoche, was "Glück" sein könnte und wie man dazu kommt.
Kennt jemand dieses Gefühl, dass Natur so schön und wunderbar und faszinierend sein kann, dass es richtig weh tut? Auch das ist Glück: Den Fernseher gar nicht erst einschalten, sondern vor die Tür gehen, in die Natur hinaus. Heute hat sich der Hochnebel in den Vogesen gelichtet, bei strahlendem Sonnenschein gab es eine Waldwanderung mit Hund von drei Stunden. Teilweise war es so warm, dass ich über Sonnenwiesen kurzärmelig laufen konnte!


Und dann ist da einfach dieser Zauber. Kein Mensch weit und breit, nicht einmal Waldarbeiter. Absolute Stille. Im Buchenwald rieselt es mit einem runden Wohlklang ... es ist nicht das Wasser, das in den Bächen gluckert - es sind die bunten Blätter, die in windstiller Luft gemächlich nach unten schweben, hörbar auf ihrem Liegeplätzchen für den Winter aufkommen. Die Vogesenhänge schwelgen in Farbenpracht, aber nun fallen langsam die Rottöne - und in ein oder zwei Wochen wird der Wald nur noch grün und schwarz erscheinen.

Unzählige seidene Spinnenfäden spannen sich über die frischgepflügten Äcker, im Gegenlicht ein Seidengewebe wie gesponnnes Silber, das leise im Lufthauch bebt. Der Hund erzählt von unsichtbaren Wildwechseln, kostet Rehspuren und Wildschweingeruch, schnüffelt einer längst verschwundenen Maus nach und anderen Tieren. So webt er in die Spinnenfäden eine unsichtbare Landkarte, die in der klaren Herbstluft sogar die Menschin wittern kann: Da hat ein Fuchs markiert und dort ist ein Rehbock erst kürzlich ins letzte Maisfeld eingebrochen. Der Geruch von Holzfeuer steigt am Hang hoch und mischt sich in feuchte Pilz- und Moosnoten. Jemand verbrennt Baumschnitt in einem sechs Kilometer entfernten Dorf. Nur am Qualm ist auszumachen, dass es noch andere Menschen auf der Erde gibt.

Selbst die Pferdekoppeln sind heute verlassen. Der Hund kostet am Wasser in den Pfützen die unterschiedlichen Gourmetrichtungen: Wiesenlache mit Pferde-Odeur, Wildwechselkuhle am Bach, dazu ein Schlückchen aus der Saulache ...


Ein Vogel warnt vor dem Hund, ein Specht tackert sich ein Menu aus einem hohlen Baum. Die Raben, die eben den Greif attackiert und vertrieben haben, scheinen vor Lachen zu keckern. Und da setzt sich der Hund von selbst an der schönsten Ausguckstelle hin und blickt versonnen übers Tal, über die anderen Hänge, hebt die Nase, schließt kurz die Augen und blickt wieder in eine Weite hinein, die das Herz öffnet. Jetzt sich wie ein Hund daneben kauern und dem Glück nachspüren ...


Lesetipp: Die frisch in Trennung lebende Karen will auch mal wieder so richtig wissen, was Glück ist. Angebote gibt es wohlfeil, jeder verspricht mit seiner Methode zum Glück mehr als der andere. Sie probiert sie alle durch, mit einen starken Hang zur Selbstironie. Und plötzlich ... kommt sie vollkommen auf den Hund, bevor sich ihr Leben wendet.
Petra van Cronenburg: Alptraum mit Plüschbär (Kindle) ( Roman, gedruckt im Antiquariat unter dem Titel "Stechapfel und Belladonna")

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