29. August 2013

Das Wau des Tages

Immer wieder spannend: Grenzgängereien zwischen Hund und Mensch. Man kann da so vieles lernen!


Eberhard Trumler schreibt in seinem Klassiker "Hunde ernst genommen", dass der Sozialverband im Vergleich zum Einzelgängertum die höhere Evolutionsstufe ausmache. Warum das so ist? Einzelgänger können keine Nahrungskonkurrenten brauchen, während der Sozialverband sogar dabei helfe, die Ernährungsgrundlage zu sichern. So heißt es:
"Das Leben in Gruppen mit gesicherter Ernährungsgrundlage verbietet jedoch jeden asozialen Futterneid."

18. August 2013

Le "Ersatz"

Als unerschrockene Experimentatorin in der Küche mache ich vor wenig seltsamen Genüssen Halt. Zumindest ausprobieren kann man ja mal - und es dann lassen, wenn es nicht schmeckt. Nun steht auf meinem Speiseplan ohnehin schon nur sporadisch Fleisch, auch wenn ich es sehr gern esse. Die französischen Preise sind der eine Grund, der noch erheblichere jedoch, dass man gutes Fleisch inzwischen auch hierzulande gut auswählen muss. Nach einem ARTE-Bericht über Fleischersatz wurde mir dann fast vom Zuschauen schlecht: Bevor ich Stammzellengezüchtetes auf meinem Teller toleriere, esse ich lieber trocken Brot! Aber vernünftig könnte man ja trotzdem sein? Warum nicht mal wieder Tofu ausprobieren? Das war schon zu meiner Studentenzeit hip, als die "Körnerfresser" in Tübingen aufkamen. Nach all den Errungenschaften in Sachen Ersatzstoff müsste sich hier doch einiges getan haben?

Ich bin, um das Leben von Otto Normalverbraucher möglichst genau zu simulieren, nicht ins Reformhaus oder in den Bioladen gegangen. Die gibt es hier auf dem Land ohnehin extrem selten - und um darin einkaufen zu können, braucht es weit mehr als ein Künstlereinkommen. Bioware und Fair Trade bieten bezahlbar auch Supermärkte an, wobei sämtliche Label heutzutage sowieso und grundsätzlich angezweifelt werden dürfen. Erzählte ARTE unlängst. Im regionalen Supermarkt war das ARTE-Programm jedenfalls spürbar: Tofu war fast ausverkauft. Und das, obwohl die Sojapampe im Kilopreis durchaus mit einem Boeuf Bourguignon im Sonderangebot mithalten kann! Ich schnappte mir zwei Päckchen: Tofu natur in Portionspackung und Tofu als Convenience-Food in Bulettenform, vorgewürzt. Convenience Food macht offensichtlich auch vor freilaufenden, glücklichen Weltrettern nicht Halt. Außer, dass möglichst viel an dem Zeug "bio" war (die Label lassen durchaus Ausnahmen zu), musste es vor allem eine Bedingung erfüllen: "Sans OGM" / keine genmanipulierten Zutaten darin.

Zuhause dann der Gourmet-Härtetest. Beide Sorten, eingeschweißt in Plastik, haben den Vorteil, dass sie verdächtig lange halten, also fast für die Vorratshaltung im Atombunker geeignet sind. Die vorgewürzten Buletten werden schneller alt, sind aber praktisch für die faulste Hausfrau: Ratzfatz, nämlich in maximal vier Minuten, sind sie in der Pfanne heißgemacht.
Tofu als Convenience Food. Wenigstens die Tomatensauce ist frisch.
Ihr Geruch, frisch aus der Verpackung gepellt, ist etwas gewöhnungsbedürftig. So riecht Ersatz, dem man mit Aromastoffen auf die Sprünge helfen möchte. Irgend etwas gaukelt sogar Fleischbrühe vor, aber angeblich sind keine künstlichen Aromen enthalten. Trocken, etwas gummiartig, wirken die runden Scheiben. Mir kommt spontan der Gedanke, dass sie sich ungebraten gut in einer Steinschleuder machen könnten. Warum aber Ersatz so tun muss, als sei er Fleisch, geht mir nicht ein. Die vorgeprägten Riffel erinnern mich an rekonstituiertes Billigsthack vom Discounter, das mir nie auf den Teller kommt. Ich entscheide mich für eine möglichst flüssige Sauce aus frischen Sommertomaten, roter Zwiebel und passenden Gewürzen.

Vom Duft her ist das Essen fein. Vom Biss her könnte man sich wahrscheinlich daran gewöhnen, es ist weniger gummiartig als vor dem Braten. Aber beim ersten Probieren kam mir dann sofort ein Bild in den Kopf: Ich als Studentin in schlimmsten Hungerzeiten, als das Geld nur noch für die billigste aller Tütensuppen reichte. Die Firma, die all die Trockengemüschen und Würzen herstellte, muss allem Grauen zum Trotz überlebt haben. Das ging gar nicht! Das war dieser ekelhafte Pseudosellerie-Möchtergerngrünzeug-Geschmack, den man auch in billigen Trocken-Fertigwürzen für Salate findet. So also wollte man mir weismachen, ich würde vielleicht doch Fleisch essen? Fleisch vom Aromamonster. Zwei Buletten sind dann tatsächlich genug für zwei Personen ... an einem solchen Abend sollte der Käseteller oder wenigstens das Dessert größer bemessen sein, um diesen ekelhaften Geschmack aus dem Mund zu bekommen.

Viel Karton braucht viel Gewürz. Überdosieren unmöglich!
Beim Naturtofu hatte ich also schon dazugelernt. Im Gegensatz zum Gummiteil kommt er eher grau-bräunlich daher und erinnert an weichgezogene Kartonage. Er riecht auch wie Karton. Dementsprechend lange wollte ich ihn marinieren, diesmal mit eigenen Aromen, zum Großteil aus dem Garten. Bei Karton kann man nicht viel falsch machen: Eine volle Lage gehackter Knoblauch, Öl, Worcestersauce, gemörserter frischer Schwarzkümmel (die erdbeerartig duftende Sorte), frisch gemahlener bunter Pfeffer, frisch gehackter Zitronenthymian, Rosensalz und Colombo-Curry. Das Ganze gewendet und auf der anderen Seite ebenso eingepackt. Und derweil das Fenster verschlossen, denn der Nachbar warf in etwa die gleichen Kräuter auf seinen Grill.
An Tofu haftet die Marinade bestens.
Zum Braten schneidet man den Tofuklops dann in Scheiben. Die Kartonage ist durch die Würzmischung nun etwas brauner als grau und wirkt wie überlagerte Leberwurst, die sich langsam davonkrümelt. Sie ist weicher als die Gummivariante und die Würze ist einfach fantastisch. Erstaunlich jedoch die Resistenz des Tofu gegenüber Würze, ja selbst Knoblauch: Beißt man nämlich auf das Innere, entsteht der Eindruck, da habe jemand die Idee gehabt, Verpackungsmaterial zu recyclen, um zu schneller Magenfüllung zu kommen. Satt macht das Zeug, keine Frage! Man kann das auch mal essen, wenn man geschmacklich ein wenig auf den Hund gekommen ist. Aber ganz ehrlich: Diese Würze auf einen schönen Feta geben, zwei bis drei Stunden marinieren - und der siebte Geschmackshimmel öffnet sich.

Fazit: Ich bin satt geworden, ohne groß zu leiden, aber Gourmet ist anders. Ich brauche keinen Ersatz für Fleisch, jeder Bohneneintopf hätte mir doch besser gemundet. In Sachen Convenience muss die "Bioindustrie" noch mächtig dazulernen. Denn der Geschmack billiger Tütensuppen aus den 1980ern auf Gummi, nein danke!
Die Marinade werde ich demnächst an einem Boeuf Bourguignon probieren, was dann genauso viel kostet. Und vielleicht vielleicht werde ich irgendwann auch einmal austesten, wie sich Verpackungsmaterial aufkochen lässt?

Tofuliebhaber, die jetzt nicht lachen können, werden nur entlassen, wenn sie ihr Lieblings-Tofurezept hier hinterlassen. Ich bin nämlich lernfähig! ;-)

10. August 2013

Saison Russe in Baden-Baden

Für die russische Kultur ist die Sommerpause in Baden-Baden vorbei. Ab nächster Woche geht es wieder los mit den monatlichen öffentlichen Veranstaltungen der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden e.V. Man trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19 Uhr, wenn nicht anders angegeben, im Saal Aurelian des Hotels Aqua Aurelia - direkt gegenüber des Vincenti-Parkhauses im Thermenviertel. Wenn nicht anders angegeben, sind die Veranstaltungen öffentlich. Hier ein kleiner Überblick bis Jahresende:
August
"Kunstausstellungen als Mittel der Diplomatie"

13.8.2013, 19 Uhr, Hotel Aqua Aurelia
Vortrag mit Bildbeispielen der Kunstwissenschaftlerin Elena Korowin, die Baden-Badener aus der Kunsthalle kennen. Anwesend werden außerdem sein: der russische Botschafter a.D. Prof. Andrej I. Stepanow  und die Kunstwissenschaftlerin Prof. Dr. Nadeshda W. Danilewitsch von der Lomonossow-Universität Moskau.

Ausstellungen aus dem Ausland werden nicht nur organisiert, um dem Publikum Kunstgenuss zu ermöglichen. Sie sind ein Mittel zur Selbstdarstellung, Annäherung und Aufklärung von Staaten. Die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen der Nachkriegszeit wird deutlich in den Kunstausstellungen dieser Zeit, eine genaue  Untersuchung beweist einmal mehr, wie schwierig eine bilaterale Annäherung ist und weiterhin sein wird. Aktuell erinnern daran die Ereignisse um die Eröffnung der Ausstellung "Bronzezeit. Europa ohne Grenzen".

Elena Korowin hat zum Thema ihre Doktorarbeit geschrieben. Die russische Kunsthistorikerin Nadeshda Danilewitsch wurde international bekannt, weil sie seit 20 Jahren nach dem Schatz der Zarenfamilie fahndet, u.a. nach den berüchtigten "Blutdiamanten". ARTE hat erst im Juni eine Sendung über ihre Arbeit gezeigt: "Auf der Suche nach dem Zarenschatz".

September
Die Villa Seelachhöhe von Chreptowitsch im 19. Jahrhundert

9.9.2013, 19 Uhr
Vortrag von Michaela Markert vom Verein Stadtbild mit Bildbeispielen und anschließender Filmvorführung „Die Geschichte der Russen in Baden-Baden.“

In der Presse ist immer wieder von Villenaufkäufen durch Russen die Rede, doch relativ unbekannt ist, dass viele Villen in Baden-Baden ursprünglich von Russen gebaut und bewohnt wurden. Schloss Seelach ist in dieser Hinsicht ein besonderes Projekt: Die Villa wurde 1862 von der Gräfin Chreptowitsch, geb. von Nesselrode, bezogen, deren Mann in Polen Hofmarschall war. Hier gingen Zar Nikolaus II. und wichtige Persönlichkeiten der "russischen Kolonie" ebenso ein und aus wie das deutsche Großherzogspaar. Seit den 1950er Jahren verfiel das Anwesen zusehends, inzwischen hat ein russischer Besitzer die marode Villa komplett abtragen lassen und mit Originalmaterial und modernsten Techniken, ebenso wie andere Teile des Anwesens, originalgetreu wieder aufbauen lassen (Bildsequenz des Architekturbüros).

Oktober
Gedenkveranstaltung zum 130. Todestag von Fürst Alexander Michailowitsch Gortschakow, Außenminister und Kanzler unter Zar Nikolaus II., in Baden-Baden verstorben und beerdigt. Veranstaltung im Palais Biron.


November
Musikalischer Salon: Wagner und die russische Musik im Palais Biron. Nur für Vereinsmitglieder.
Dezember
Reihe Russische Städte: Odessa