29. Mai 2013

Ausflugstipp: Rhododendren

Manche öffnen sich erst zaghaft, andere stehen bereits in voller Blüte: Rhododendren und Azaleen versehen Gärten und Parks im Elsass derzeit mit Farbtupfern in allen Pink- und Lilatönen, aber auch in Gelb und Lachsfarben. Das regnerische Wetter kommt diesen Blüten eher entgegen - die Moorpflanzen fühlen sich mit feuchten Füßen so richtig in ihrem Element. Und wo könnten Rhododendren schöner sein als in alten Schlossgärten, wo sie manchmal baumgroß wuchern!


In meinem Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" habe ich darum auch einen Geheimtipp in Sachen Rhododendrenblüte. Es handelt sich um eine uralte Allee mit riesigen Rhododendren, welche die Zufahrt zum Schloss von Jägerthal bildet. Das schottisch anmutende Schloss, das einst von den Industriebaronen de Dietrich erbaut wurde, ist im Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Man kann die Allee jedoch von der Straße aus betrachten, wenn man sich vor dem Schloss in Jägerthal befindet. Nimmt man dann die Straße nach Bad Niederbronn, die gleich scharf rechts den Berg hochführt, so kann man kurz nach der Einmündung rechts in einer kleinen Bucht halten. Von hier ist der Blick frei, um von oben auf die Pracht zu schauen. In meinem Buch erzähle ich, was es dort noch zu sehen gibt und wie abenteuerlich und gefährlich die Schlossbesitzer einst lebten. Auf alle Fälle lohnt die Region mit ihren Kletterfelsen, Burgen, Vulkankegelbergen und kulinarischen Genüssen eine Wochenendtour.

4. Mai 2013

Heilige und unheilige Feiertage

Trotz des Dauerregens der letzten Tage werden im Elsass teilweise schon die Flaggen für den nächsten Feiertag herausgehängt: die französische und die Europaflagge. Und immer wieder fragen Touristen: Was wird denn da gefeiert?
In vielen Ländern Europas außer in Deutschland feiert man am 8. Mai das Ende des Zweiten Weltkriegs, das Ende der Schreckensherrschaft der Nazis, das Ende der Besatzung. Stand in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg noch der eigene Sieg im Vordergrund, so dient der Tag neben den Ehrungen der Gefallenen und Vermissten inzwischen eher dem Gedenken, dass endlich Schluss war mit der brutalen Barbarei - und dass wir alles daran setzen müssen, dass so etwas nie wieder geschieht. Ein Anlass, an dem inzwischen auch deutsche Staatsgäste teilnehmen, schließlich geht es für uns um die Befreiung.



Also vormerken: Am nächsten Mittwoch, den 8. Mai, einem weltlichen Feiertag, sind die Läden in Frankreich geschlossen und diejenigen auf der deutschen Seite womöglich überfüllt. Denn an solchen Tagen hat längst der Kapitalismus das hehre Gedenken verdrängt: Man geht auf der anderen Seite des Rheins shoppen und essen. Am Donnerstag könnte sich die Sache dann umkehren!

Denn der 9. Mai ist Christi Himmelfahrt, eigentlich ein Feiertag. Viele Einzelhändler und Supermärkte wollen sich jedoch das Geschäft nicht entgehen lassen und öffnen ausnahmsweise am Donnerstag. Vielleicht deshalb, weil der sonst starke Mittwoch ausfällt. Da ist nämlich in den meisten Schulen im Elsass keine Schule - mittwochs kaufen vorwiegend Mütter mit Kindern ein, die Läden sind voll. Und weil das liebe Geld über jeden Feiertag dieser Welt erhaben ist, ob heilig oder unheilig: Die Preise an der Tankstelle sind selbstverständlich schon heute leicht gestiegen. Das machen sie immer vor Ferien, Feiertagen und langen Brückenwochenenden.

Ein Ausflug lohnt sich aber nicht nur für Menschen, die sich in geschlossenen Supermärkten aufhalten wollen. Trotz oder gerade wegen der für den Boden notwendigen Regenfälle blühen im ganzen Elsass die Streuobstwiesen zum Maiengrün der Wälder, auch die Wiesen stehen schon recht hoch. Ein Paradiesgarten in der Hügellandschaft! Leider war es zu kalt für Bienenflug, so dass viele Bauern sich bereits Sorgen um die Ernte von Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen machen. Viel zu schnell verblüht alles wieder - bei Äpfeln und Birnen hoffen wir auf nächste Woche. Ab morgen soll es richtig "dämpfig" werden, feucht, aber wärmer. Ganz im Norden, rund um Wissembourg, erreicht das Thermometer dann auch am Berg zweistellige Ziffern mit einer 2 vorn: 22 Grad am Mittwoch, am Donnerstag leichter Regen bei 18 Grad und dann wieder um die 20 Grad. Die aktuellen Werte gibt's hier.

Und auch wenn ein deutscher Radiosender vorschnell das Ende der Eisheiligen gefeiert hat - die haben wir beidseitig noch vor uns. Die "kalte Sophie", der Endpunkt der wenigen berühmten Kältetage, steht im deutschen Heiligenkalender am 15. Mai an. Nach dem französischen wird sie erst am 25. Mai gefeiert. Kein Wunder, dass das Wetter so spinnt, wenn schon die dafür zuständigen Heiligen sich nicht einigen können. Wie gut nur, dass wir immer im rechten Augenblick über die Grenze wechseln können!