13. Februar 2013

Von Feuerscheiben und Donnerern

Es ist wieder so weit: Mit Karneval, Fasching oder Fastnet wurden die letzten Wintergeister vertrieben, der Frühling sollte kommen. Wirklich die letzten? Beim Erfassen meines Elsass-Buchs für die E-Book-Fassung bin ich gerade mit dem Kapitel des Monats Februar fertig, das sich der Gegend um den "heiligen Berg" Donon widmet, wo man keltische und gallorömische Relikte gefunden hat. Auf so großer Höhe über der Baumgrenze kommt der Frühling nicht so schnell wie im Tal - und vielleicht haben sich darum so viele Fastnachtsbräuche gehalten, die weit über den Aschermittwoch hinaus weisen.

Einer dieser Bräuche ist das keltische "Schiweschlage" in den Vogesen, das im benachbarten alemannischen Schwarzwald "Schiibefir" genannt wird (Wikipedia). In Baden-Oos wird es am Wochenende nach Fastnacht gefeiert, im Elsass am traditionellen ersten Fastensonntag Estomihi. Man findet es heute noch vor allem im Sundgau und auch in Oberbronn in den Nordvogesen hat man den Brauch wiederbelebt.

Im Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" heißt es dazu:
"Die jungen Leute schnitzen flache Holzscheiben, manchmal mit dem Namen der oder des Angebeteten verziert. Wie die Taranisräder, die brennend zu Tal getrieben wurden, sind sie Sonnensymbole nach einer kalten Jahreszeit. Man bringt sie zum Glühen, schwingt sie mit einer biegsamen Haselgerte im Kreis und lässt sie durch einen abrupten Schlag auf den Felsen ins Tal schwirren.
Dabei hat man auch die Frauen „g’fitzt“, also ihre Oberschenkel mit den Haselgerten gekitzelt. Ein „G’fitzter“ im Elsässischen hat Erfolg im Leben – und die „Vermählung“ von Feuer und Erde macht fruchtbar, gesund, bringt Glück und Frühling. Früher war das Schiweschlage als Heiratsmarkt für die Alleinstehenden reserviert, heute wird es auch einmal zum sinnentleerten Folklorespektakel."
Und wie das war mit dem Götterkampf zwischen Cernunnos (hinter dem auch Esus und Merkur stecken) und Taranis um die Göttin Rigani, bei dem mal der eine und mal der andere in die Unterwelt hinabsteigt - das hat der Spezialist für Vorgeschichte, Jean-Jacques Hatt herausgefunden, den ich in meinem Buch zu Wort kommen lasse. Der gallo-römische Taranis ist derjenige, der in dieser Jahreszeit mit Blitz und Donner wieder nach oben steigt, während Rigani aus ihrem Kessel des Überflusses für die fruchtbaren Frühjahrsregen sorgt. Ihn sollen die brennenden Räder eigentlich anlocken. Es ist ein religionsübergreifender, vorzeitlicher Mythos, den man sogar in slawischen Ländern wiederfindet. In Polen etwa gibt es den Brauch, sich zum Ostermontag gegenseitig mit Wasser zu bespritzen - dort beginnt der Frühling klimatisch gesehen etwas später.

Spätestens nach dem nächsten Wochenende hat der Winter in unseren Breiten also nicht mehr wirklich Kraft, wenn man den Traditionen glaubt. Dann hockt der Hirschgott endgültig wieder in der Unterwelt, bis man ihn zur Wintersonnenwende mit den lecker gebackenen "Hirschhörnle" herauslockt. Das Amselmännchen, das gerade auf meinem Fensterbrett singt, glaubt jedenfalls fest an diesen Wechsel der Jahreszeiten!

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