1. Februar 2013

Schukowski in Baden-Baden (Archiv)

Mein Buch über Wassili Schukowski erscheint in Kürze - zunächst als E-Book in deutscher Sprache, eine zweisprachige gedruckte Fassung auf Deutsch und Russisch ist angedacht. Grundlage für das Essay ist ein Vortrag, den ich überarbeitet und leicht ergänzt habe. Ich möchte deshalb hier den Beitrag zu jenem Vortrag von meinem Baden-Baden-Blog übernehmen, zumal jenes Blog langsam hierher umziehen und integriert werden soll.

Artikel vom 25.9.2012
Einer der berühmtesten Dichter Russlands ist in diesem Jahr durch seinen 160sten Todestag wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt: Wassili Schukowski (1783–1852). Er verbrachte seinen Lebensabend in Baden-Baden und wurde vor seiner Überführung nach Sankt Petersburg hier begraben – wie später auch seine Kinder. Zu diesem Anlass hat die Deutsch-Russische Kulturgesellschaft Baden-Baden e.V. die Patenschaft für die aufgegebene Grabstätte auf dem Stadtfriedhof übernommen, um sie mit einem Obelisken als historische Gedenkstätte zu bewahren.

Sie wird im Beisein von OB Wolfgang Gerstner am 11. Oktober um 15 Uhr öffentlich von Abt Andrey von der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde Baden-Baden gesegnet. Eine Feierstunde zu Ehren des Dichters in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek, zu der auch russische Gäste aus diplomatischen Kreisen erwartet werden, schließt sich um 16.30 Uhr im Gartenhaus der Stadtbibliothek an. Die Buchautorin Petra van Cronenburg hält einen kurzen Vortrag über Wassili Schukowski.

Wassili Schukowski, zu Lebzeiten gemalt von P. F. Sokolov
Wassili Schukowski gilt als Begründer der russischen Romantik und war Freund und Mentor Puschkins. Fast noch bedeutender ist seine Rolle als Kulturvermittler. Der viersprachige Lyriker machte durch seine freien Übersetzungen vor allem Schriftsteller wie Goethe und Schiller, aber auch Johann Peter Hebel und Ludwig Uhland in Russland bekannt. Von Baden hatte Wassili Schukowski sicher schon früh gehört, als er Hauslehrer des späteren Zaren Alexander II. wurde. Das Haus Romanow war durch die Einheirat der Prinzessin Louise von Baden 1793 mit dem Haus der Markgrafen verwandt. Nach einem ersten Kurbesuch im Jahr 1827 ließ sich Schukowski 1848 endgültig in Baden-Baden nieder, wo er am längsten im Maison Kleinmann in der Sophienstraße 5 wohnte. Hier pflegte er seine Freundschaft mit Nikolaj Gogol und schrieb neben Aufsätzen und Fabeln vor allem an einer Nachdichtung von Homers Odyssee und Gesängen aus der Ilias, die wie der Großteil seiner Gesamtausgabe in der berühmten „russischen Offizin“ der Karlsruher Hofbuchhandlung Hasper erschienen. Fast erblindet verschied er nach einem langen Herzleiden 1852 im Alter von 69 Jahren.
Im Maison Kleinmann in der Sophienstraße 5 wohnte der Dichter

Auch familiär waren Schukowskis Verbindungen zur deutschen Kultur sehr eng. Seine 38 Jahre jüngere Frau Elisabeth von Reutern war die Tochter der hessischen Adligen Charlotte von Schwertzell und des Baltendeutschen Gerhardt Wilhelm von Reutern, einem alten Freund Schukowskis. Der Schwiegervater, ein guter Bekannter von Goethe, kam durch dessen Ermunterung zur Malerei. Die von ihm gegründete Malerkolonie imhessischen Willinghausen gilt als die erste Freiluftmalerei-Schule Europas. Ebenso viele Künstler zog sein späterer Wohn- und Atelierssitz in der Frankfurter Villa Metzler an, heute Teil des Museums für angewandte Kunst. Schukowski wohnte zeitweise auch dort.

Jene künstlerische Begabung blieb in der Familie. Wassili Schukowskis Sohn wurde in anderer Schreibweise in Deutschland berühmt: als Maler und Architekt Paul von Joukowsky (1845-1912) zählte er zu den engsten Vertrauten von Cosima und Richard Wagner im Haus Wahnfried. Besonders bekannt sind seine Portraits von Richard Wagner und Franz Liszt, aber vor allem die Bühnenausstattung und Entwürfe von Kostümen und Requisiten für die Uraufführung des Parsifal.

Die Tochter Alexandra von Joukowsky-Wöhrmann (1842–1899), die als Hofdame in Sankt Petersburg aufwuchs, machte auf andere Weise von sich reden. Ihr Sohn Alexej entstammte einem Verhältnis mit dem vierten Sohn von Zar Alexander II. Jener verschaffte ihr trotz Widerstand seines Vaters im Jahr ihrer Heirat mit einem sächsischen Baron den Adelstitel einer Baroness Seggiano. Alexej wurde schließlich von seinem Onkel, Zar Alexander III. zum Grafen Belewski geadelt.

Der 2010 gegründete gemeinnützige Verein „Deutsch-Russische Kulturgesellschaft Baden-Baden e. V.“ möchte die Völkerverständigung zwischen Deutschen und Russen durch einen lebendigen Kulturdialog stärken. Dazu gehört auch die Erforschung und Pflege historischer Spuren. Die Förderung der kulturellen Zusammenarbeit für eine gemeinsame Zukunft liegt dem Verein besonders am Herzen. Jeden zweiten Dienstag im Monat veranstaltet er öffentliche Vorträge und Themenabende.

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