15. Januar 2013

Küchen-Spielzeug

Freunde haben mir aus England ein neues Spielzeug für die Küche mitgebracht: "Slow Cooker" heißt das Ding, manche nennen es auch nach einer der Firmen, die den Slow Cooker entwickelt hat: "crockpot". Manchmal zu Traumpreisen kann man die Geräte auch im Internet bestellen, mit jeder Menge Schnickschnack obendrein, das es absolut nicht braucht. Der 3,5-Liter-Topf mit einfachen Funktionen wie hier auf dem Foto kostet in England umgerechnet 15 Euro.


Das Prinzip des Slow Cookers, der ursprünglich in den USA entwickelt wurde und in den 1970ern seine Glanzzeit erlebte, ist denkbar einfach. In einem elektrisch beheizten Aluminiumgehäuse hängt lose ein dickwandiger Keramiktopf mit Glasdeckel. Wie der Name schon sagt, kocht man darin sehr langsam, nämlich bei Niedertemperatur von etwa 80 Grad auf der Stufe "high". Die Stufe "low" ist ideal zum Nachköcheln und für längere Genusspartys gibt es eine Wärmefunktion.

Was die wenigsten wissen: Slow Cooker verbrauchen im Gegensatz zu Herd oder Backofen extrem wenig Energie und eignen sich deshalb vor allem für Gerichte, die stundenlang köcheln müssen. Der meine verbraucht etwa 130 bis 160 Watt, während man beim Herd mit 4000 Watt dabei ist. Einer der Gründe, warum ich mich dafür interessierte: Kochen mit dem Energieaufwand einer Lampe. Außerdem mag ich es nicht, ständig in der Küche zu stehen, während sich die Gäste ohne mich amüsieren. Ich hatte mich in einem Land, in dem man Menus auf den Tisch bringt, deshalb ohnehin schon oft auf Schmorgerichte zum Hauptgang verlegt, auf Essen, das sich leicht vorbereiten und aufwärmen ließ. Dumm nur, dass man Standards wie Choucroute oder Baeckeoffe ständig überwachen musste - einen Herd lässt man nicht stundenlang allein.

Das ist mit dem Slow Cooker, der einst das Leben der amerikanischen Hausfrau vereinfachen sollte, kein Problem mehr. Man muss sich daran gewöhnen, dass auch normale Fleischzubereitungen oder Gemüsetöpfe darin fünf oder acht Stunden lang schmoren. Dafür kann man den Topf aber auch bedenkenlos allein köcheln lassen, sofern er sicher und nicht neben brennbaren Dingen steht. Nichts brennt an, nichts verkocht, nichts kocht über. Fleisch zergeht anschließend zart auf der Zunge, Gemüse bleibt trotzdem knackig. Und es kommt noch besser: Man zerkleinert die Zutaten und wirft morgens einfach alles in den Topf, einschließlich Gewürzen und der nötigen Flüssigkeit. Und dann kann man sich um alles andere und um die Gäste kümmern: Das Essen bereitet sich von ganz allein zu, muss allenfalls zwei-, dreimal gewendet werden.

Ententopf mit Karotten und Pastinaken
Mein erstes Gericht war improvisiert. Ausreichend Flüssigkeit sollte ich verwenden, riet mir eine Freundin, ohne die funktioniert das Prinzip des Slow Cooking nicht! Und der Rest erinnert an das uralte System der maghrebinischen Tajines und anderer Tongefäße, die früher in der Glut eines Feuers stundenlang warmgehalten wurden. Deshalb kann man übrigens auch solche Rezepte wunderbar übertragen.

Ich nahm zwei Entenschenkel, die ich auf längs geachtelte rote Zwiebeln und Hälften von Knoblauchzehen legte. Die Ente hatte ich im eigenen Fett vorher in der Pfanne leicht angebräunt. Dazu schnitt ich Pastinaken und Karotten klein und gab ein paar eingelegte Pilze dazu. Gewürzt habe ich mit etwas Wacholderbeeren, Nelken, Piment, buntem Pfeffer, zwei Lorbeerblättern und frischem Zitronenthymian. Und aufgegossen wurde mit einem Gemisch aus Rotwein und Gemüsebrühe im Verhältnis 2:1. Auf hoher Stufe köchelte das Ganze etwa sechs Stunden, zwischendurch wendete ich das Gemüse zweimal und goss etwas Rotwein nach.

Die Köstlichkeit am Ende überraschte durch Konsistenz und Aromen. Das Entenfleisch löste sich wie von selbst von den Knochen und war traumhaft zart, aber alles andere als trocken. So schmeckt es in einem traditionellen Cassoulet, das die Bauersfrau Stunden im Ofen bäckt! Wider Erwarten war das Gemüse al dente und hatte jeweils seinen Eigengeschmack intensiv bewahrt. Die Aromen warfen mich fast um, denn wenn ich den Topfdeckel hob, duftete es fast blumig, honigartig. Und so schmeckte es auch: Ein fast wildartiger Geschmack bei der (Haus)Ente, absolut fruchtig-liebliche Karotten - und etwas, das fast an Rosen erinnerte. Ich denke, es war die Melange der Zwiebeln, des Knoblauchs und der Gemüse. Auch der Knoblauch war übrigens zu einem wohlschmeckenden Gemüse geworden.

Inzwischen habe ich in diesem Topf auch schon ein Rehragout gegart und bin überrascht: Selbst ich, die ich schon mehrmals ein missratenes Bourguignon zu beklagen hatte, kann hier absolut nichts falsch machen. Als nächstes möchte ich wirklich die berühmten Schmortöpfe des Elsass ausprobieren. Gerade der Baeckeoffe wird ja heutzutage kaum noch serviert, weil sich keiner mehr die Arbeit machen möchte. Ich freue mich schon darauf, vormittags alles einzuschichten, Riesling darüber zu kippen ... und abend zu genießen, was mein Zaubertopf ganz von selbst gekocht hat! Ein Dankeschön nach England!

Die Rezepte dazu gibt es im Frühjahr in meinem Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt"

Kommentare:

PvC hat gesagt…

Noch eine Anmerkung in Sachen Topfgröße:
Ich habe einen 3,5 l-Topf, der laut englischer Beschreibung für 2-3 Leute reicht.
Ich finde, er ist ideal für ein bis zwei Personen (dann kann man 1-2 Portionen einfrieren). Drei Personen sind o.k., wenn es zum Hauptgang noch andere Gänge gibt oder wenn man darin nur ein Ragout zubereitet und Beilagen extra kocht.
Für einen Coq au vin habe ich mit Mühe etwas Gemüse und drei sehr große Hühnerschenkel untergebracht - damit ist der Topf bis oben voll.

Wer also gern viele Gäste hat, sollte sich unbedingt eine größere Version kaufen.

Sylvie Haine hat gesagt…

Dein Artikel hat mich richtig neugierig gemacht und deshalb hab ich jetzt ein Zettel mit "Slow Cooker" in meinem Portemonnaie. Demnächst werde ich mich mal in diversen Läden schlau machen, ob es diese Töpfe hier (in Luxemburg) zu kaufen gibt.

PvC hat gesagt…

Kaufen kann man sie sogar per Internet - das Problem: Sie sind ungeheuer teuer außerhalb von England. Übrigens reicht ein Slow Cooker oder Crockpot mit drei Wärmestufen: !low, high, warm" völlig aus. All das elektronische Schnickschnack braucht es nicht.

Wolfhard Meissner hat gesagt…

hi, ich - männlich - habe einen topf bei Amazon für € 42 erworben.
und zwar mit 6,5 l. am woende gab es zwei putenoberkeulen mit gemischtem Gemüse. etwas geflügelfond und portwein, und dann mmmhhh!! stunden auf voller pulle, anschl. geht es automatisch auf warmhaltn. tollll
8.5.2015 wolfhard