28. Dezember 2012

Ein Traum macht Arbeit

Da liegt er vor mir, der Traum. Als ich etwa um 1990 herum als Journalistin so von einer Recherche "gebissen" war, dass der Text die Länge eines Artikels um etwa 900 Seiten überschritt, sagten mir Kollegen, ich solle ein Buch draus machen. Eine Lektorin meinte allerdings warnend: "Du brauchst im Schnitt 15 Jahre, bis du es in einen Verlag und zum Buch geschafft hast." Das waren damals die üblichen Zeiten für Anfänger. Ich schaffte es immerhin in der Hälfte der Zeit und hatte damals schon einen Dickkopf. Ich wollte nicht irgendeinen Verlag, ich wollte zu Eugen Diederichs, damals ein sehr renommierter Fachverlag für religionswissenschaftliche und ethnologische Themen. Erst später wurde er von verschiedenen Eignern heruntergewirtschaftet, bis Random House den Rest schluckte. Zu Random House oder Bertelsmann, dem Traum aller Jungautoren, wollte ich damals nicht. War mir zu groß. Ich bewarb mich übrigens drei Mal bei Diederichs, bis ich "durchkam". Um dann zu erfahren, dass man dort endlich einen Lektor entlassen hatte, der grundsätzlich Erstlingsmanuskripte ablehnte ... und in einem Schrank wegschloss. Den hat man damals aufbrechen müssen.

Die Fahnen müssen korrigiert werden.

Als ich es dann mit meinem Elsassbuch zu Hanser geschafft hatte, war das ein Meilenstein. Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen, bestimmte Verlagsnamen öffnen einem tatsächlich bestimmte Türen nicht nur in der Buchbranche. Funktioniert allerdings nur, wenn jene Verlage ein sehr dezidiertes Profil haben, nicht, wenn sie alles kunterbunt verlegen. So musste ich in Bewerbungen im Brotberuf manchmal nicht mehr viel erklären, sondern nur einen Verlagsnamen fallenlassen. So kam es auch, dass die BBC mich ansprach für ein Projekt und nicht umgekehrt.

Und da geisterte immer wieder ein anderer Verlagsname in der Luft herum, unerreichbar wie ein ferner Stern. Zu dem hatte ich eine Beziehung als Leserin. Als Autorin würde ich da nie und nimmer landen. Dachte ich. Für das Nijinsky-Buch brauchte ich Material von diesem Verlag und man war da sehr hilfsbereit, suchte mir die lange vergriffenen Werke heraus. Als meine damalige Verlegerin mir gestand, sie habe sogar mein Manuskript dort jemandem zum Lesen gegeben, wurde ich bis unter die Haarwurzeln rot: Ich doch nicht! Das ist doch der Olymp!

Der Olymp hatte leider die eigenen Nijinsky-Bücher komplett aufgegeben und nach dem Umzug nach Berlin auch nicht mehr vor, in diese Richtung zu gehen. Ja, träumen kann man ja mal. ... Inzwischen hatte ich dann für manche Leute aus der Buchbranche schon Schmuddelimage: "Igitt, die hat ein Buch selbst herausgebracht, pfui, jetzt ist alles zu spät." Ich konnte mich ja schlecht herausreden, dass ausgerechnet dieses Buch schon mal die hehre Götterluft geschnuppert hatte.

Umso mehr überraschte mich dann der Anruf der Lizenzabteilung von Hanser: "Hätten Sie etwas dagegen, wenn Suhrkamp-Insel die Taschenbuchlizenz des Elsassbuchs kauft?" Sollte ich?
Tja, manchmal stolpert man auch mal die Stufen hoch. Und weil Qualität Arbeit macht, sitze ich über die Jahreswende an der Fahnenkorrektur. Ein neu gesetztes Buch bekommt nämlich auch ein neues Lektorat. Jetzt ist als Verlagsvignette kein Koffer im Suppenteller mehr drauf, sondern ein Segelschiff - es geht also weiter auf Reisen. Und wird etwa Mitte April 2013 erscheinen.

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