13. Oktober 2009

Kindheitserinnerung: Mohn

Kürzlich habe ich mich noch mit Mohnliebhabern darüber unterhalten, dass die Verwendung dieser köstlichen Samen einem zeigen kann, dass man sich in Mitteleuropa befindet. Ganz alte und traditionelle elsässische Bäcker verwenden noch Blaumohn fürs Gebäck, aber danach muss man lange suchen. In Frankreich sind diese Füllungen eher unbekannt. Schade, denn ich bin als Kind schon mit köstlichen Mohnkuchen groß geworden, ein Vorteil von Familien, die wer weiß woher kommen. Und dann gab es die Füllung irgendwie nicht mehr in der gleichen Qualität zu kaufen.

Ich musste erst in Polen leben, um zu lernen, warum. Eines Tages bekam ich dort den herrlichsten Mohnstrudel zu essen. Die fröhliche Bäckerin zwinkerte mit den Augen, lachte und erklärte, der sei noch richtig nach traditioneller Art gebacken, nur so schmecke er. Denn der blaue Mohn sei einfach nicht dasselbe, weniger fruchtig, viel trockener. Und entspanne auch nicht so schön...

Was sie denn stattdessen verbacken habe, wollte ich wissen. Sie wand sich ein wenig. Na ja, ihr Cousin lebe auf dem Land und der habe hinter hohen Thujahecken noch eine kleine Plantage, schwer sei es geworden, sie kontrollierten doch überall, dabei bauten sie die Blumen nur wegen des Kuchens an. Ich brauchte das polnische Wort für diesen leckeren Mohn nicht nachschlagen. Dann erzählte sie mir, wie sie bei großen Festen den Kindern ein Stück Mohnkuchen gäben, wenn sie zu aufgekratzt seien und ja, früher habe man auch etwas in Milch aufgekochten Mohn mit Honig in Leinensäckchen gefüllt und als Schnuller verwendet.

Seither ist dieser Mohnkuchen aus den Neunzigern in Polen ein Mythos in meinem Erzählschatz, weil er schmeckte wie in meiner Kindheit - und weil ich diese Köstlichkeit seither vergeblich suche. Dumm war ich! Vergaß den Umweg über das Osmanische Reich... (und das Österreicher Waldviertel ist hier auch zu weit weg).

Heute fand ich in einem Regal mit türkischen Spezialitäten fertig gemahlenen Mohn in Gläsern. Das Kleingedruckte verspricht tatsächlich den guten alten Schlafmohn. Und auf Türkisch steht da (Akzente habe ich leider keine): Hashas Ezmesi. Man muss also erst nach Deutschland in einen türkischen Laden, um eine in Frankreich fehlende polnisch-russische Köstlichkeit zu finden! Ich bin gespannt aufs Backergebnis.

Übrigens, keine Angst, Schlafmohnzubereitungen sind eines der ältesten Nahrungsmittel der Welt und allenfalls leicht beruhigend. Das hat nichts mit dem aus dem Milchsaft der grünen angeritzten Kapseln hergestellten Opium verarbeitet wird. Allerdings sollen laut Wikipedia größere Kuchenmengen im Drogentest anschlagen.

1. Oktober 2009

Kunst im Garten

Wieder ist im Galand in Kehl-Odelshofen eine Veranstaltungssaison beendet - und das wird traditionell mit sonntäglicher "Kunst im Garten" zelebriert. Ich selbst hatte schon zwei mal das Vergnügen, an diesem besonderen Ort auftreten zu dürfen und möchte den Geheimtipp gern öffentlich teilen - hier trifft man immer wieder besondere Menschen in einer beflügelnden Atmosphäre. Gleichzeitig gibt die Kunstausstellung im Garten, der umgebauten Tabakscheuer und der kleinen Galerie Nachwuchskünstlern aus Deutschland und Frankreich die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren und Gespräche mit dem Publikum zu führen.

Am Sonntag, den 4. Oktober 2009 von 11-18 Uhr gibt es Kunst im Garten zum 13. Mal, der Eintritt ist frei, der Verein sorgt für ein Buffet.
Natürlich sind die Werke zu verkaufen. Mein Tipp: Hier kann man auch den Grundstock für eine Kunstsammlung legen, ohne Millionär zu sein!

Zu sehen sind diesmal: Ursel Bopp mit Schmuck, Albrecht A. Bopp mit Bildern, Ecki Brause mit Bildern und Karrikaturen, Markus Bromm mit Pyrographien, Jan Sosein Carl mit Malerei, Suvan U. Dingler mit Keramik, Silke Charlott Häge mit Plastiken, Angela Johe mit Porzellan und Kleidern, Eliane Karakaya mit Bildern, Eva Lübold mit Figuren, Sabine Maitre mit Skulpturen und Glas und Adelheid Pfeil mit Radierungen.

Alles Wissenswerte und Adresse: Galand / Kunst im Garten
Hier ein Artikel zum Einstimmen (pdf)