6. Juli 2009

Das kleine Übel nach dem café

Madame ist heute wieder einmal als Übersetzerin unterwegs. Dabei lerne ich karambolagemäßig Erstaunliches über die beiden Nachbarländer am Rhein. Etwa über deren Umgang mit Geld. Zu Helmut Kohls Zeiten transportierte man es rechts vom Rhein noch in schwarzen Koffern und ebenso einfallslos schmuggelten Elsässer in diesem Behältnis Devisen in die Schweiz.

Seit die Banken und die Wirtschaft kriseln, ist das kleine Managerköfferchen zumindest sprachlich abgeschafft.
Die Deutschen stopfen Geld jetzt in große Finanzpakete, die so überladen sind, dass man sie schnüren muss. Franzosen dagegen legen Budgets elegant in einen Umschlag (l'enveloppe budgétaire).

Das erinnert mich an die Anfänge meines Französischlernens, als ich noch glaubte, man verlange nach dem Café in einem Restaurant eine bessere Diktion der Speisekarte (la diction). Stattdessen ging es wirklich nur um schnöden Mammon: l'addition.

Während nämlich der deutsche Gast unsensibel nach der Rechnung ruft oder "zahlen bittäh!", gern auch direkt übersetzt: "la facture!" gehen Franzosen das kleine Übel nach einem Festessen im Restaurant dekorativ und diskret an. Korrekt sagt man nämlich: "L'addition s.v.p." L'addition ist das Zusammengezählte, aber auch das kleine Anhängsel - wie der Keks zum Café. Ebenso dezent wie bei der Budgetverteilung legt man deshalb Kreditkarte oder Geld auf einem Tellerchen unter die Rechnung, nicht obenauf.

Madame geht jetzt wieder an ihre traduction, die eine Menge diction verlangt, aber am Ende keine addition, sondern eine facture. Für ein Finanzpaket reicht das zwar nicht, aber für die nächste addition und das Finanzamt, das in Frankreich ein "Zentrum für Steuern" ist (Centre des impôts). Das Paket aller Pakete sozusagen.

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