21. März 2009

14. Juli in Baden-Baden

Der Vollständigkeit noch einmal hier:
Ich werde am 14. Juli 2009 in Baden-Baden in der Gönneranlage aus "Das Buch der Rose" lesen und erzählen. Mehr dazu hier.
Es wird rechtzeitig genauere Infos geben.

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11. März 2009

Europäische Literatur in Strasbourg

Es ist mal wieder typisch: Wenn man ums Eck wohnt, denkt man an wichtige Events erst, wenn sie längst angefangen haben. Wie z.B. "Traduire l'Europe" in Strasbourg, eine Veranstaltungsreihe, die Literaturübersetzungen im Fokus hat. Für Kurzentschlossene: Am Freitag schließt nahtlos das 4. Europäische Treffen der Literatur an. Ein paar ausgewählte Veranstaltungen:

13.3.09, 14:30 - 16:30
Salle Fustel de Coulanges im Palais Universitaire
Y a-t-il une littérature européenne / Gibt es eine europäische Literatur?
Vorgestellt werden die Bemühungen des Europarates um europäische Literatur und man fragt sich, wo zwischen nationaler Literatur und Globalisierung so eine Literatur stehen könnte.

13.3.09, 16:45 - 18:15
Salle Louis Pasteur im Palais Universitaire
Gustave Stoskopf
Bei den Vorträgen und Lesungen steht das elsässische Multitalent Gustave Stoskopf im Mittelpunkt, Gründer des elsässischen Theaters und des Musée Alsacien 1900, Gründer des Kunstsalons und einer illustrierten Zeitschrift, die die regionalen Künstler der Zeit förderte. Maler war er auch selbst und schließlich Autor und Humorist. Mit von der Partie ist Roger Siffer.
Gustave Stosskopf wird in diesem Jahr mit dem Prix du Patrimoine Nathan Katz geehrt.

14.3.09, 10:30 - 12:00
Librairie Kléber (Place Kléber), Salle Blanche
Hintergründe und Lesung: Anise Koltz erhält den Literaturpreis Jean Arp des Jahres 2009.
Die bereits mit hohen Literaturpreisen ausgezeichnete Dichterin aus Luxemburg schrieb ursprünglich in deutscher Sprache. Als ihr Mann an den Folgen von Nazifolter starb, erlebte sie einen Bruch: Sie gab ihre Sprache vollkommen auf und arbeitete nur noch auf Französisch. Anise Koltz, in Deutschland wenig bekannt, wird im Ausland mit Namen wie Paul Celan oder Ingeborg Bachmann in einem Atemzug genannt.

14.3.09, 13-14:00
Hotel de Ville de Strasbourg - Place Broglie
Große Preisverleihung
Unter Anwesenheit von Prominenz und Politik werden die diesjährigen europäischen Literaturpreise verliehen.

14.3.09, 15-17:00
Librairie Kléber, Salle Blanche
Tankred Dorst: Preisträger des Prix Européen de Littérature 2009
Hommage von Gaston Jung, es sind anwesend seine Übersetzer Hélène Mauler und René Zahnd, eine Standortbestimmung innerhalb der deutschen Literatur von Maryse Staiber, Lesung - und natürlich eine Rede des Autors selbst, der heute in München lebt.

10.3. - 28.3.09
Médiathèque Malraux / Abteilung Langues et Littératures
Ausstellung zu den Preisträgern mit Bibliographie

Die Mediathek ist übrigens ein Schlaraffenland! Allein zum Thema europäische Literaturen findet man 12.000 Titel aus allen Ländern in Originalsprachen. Bei 1000 Sitzplätzen und 102 Multimedia-Zugängen verfügt die Mediathek über 35.000 CD / DVD, 160.000 Bücher, 33.000 Kinder- und Jugendbücher, 750 Enzyklopädien und einem freien Zugriff auf die Stadtbibliothek, in der 200.000 alte Bücher, Inkunabeln und Manuskripte aufbewahrt werden. Dabei ist Malraux nur eine von drei Mediatheken in Strasbourg, zusammen mit den städtischen sind es dann 27 - und 14 kommen in den umliegenden Dörfern dazu. Die Benutzerkarte gilt für alle. Infos gibt's hier.

Und damit ich nicht wieder zu spät komme: Vom 22.-28. Juni läuft wieder ein Festival in Strasbourg, das mit Schreiben zu tun hat (zwei andere folgen im September und November):
Fou d'images - verrückt nach Bildern
Es geht um den Dialog zwischen Wort und Bild, um Illustrationen, Comics und visuelle Kunst. (Infos, Sprachauswahl ganz oben rechts)

3. März 2009

Explodierende Wälder

Bei einer Übersetzungsarbeit habe ich etwas Interessantes über elsässische Grenzwälder erfahren. Sie können - falsch behandelt, explodieren!

Der Fachausdruck hieß "bois mitraillé", was wörtlich so viel bedeutet, dass jemand das Gehölz mit einem Maschinengewehr beschossen hat. Aber wie übersetzt man das richtig, was muss man sich darunter vorstellen? Von Polen her kenne ich - vor allem um Warschau - jene Wälder, in denen sich im Zweiten Weltkrieg die Partisanen versteckt hatten. Auch diese Wälder gerieten massiv unter Beschuss, sie wurden von den Nazis regelrecht abrasiert. Man erkennt diese Gehölze heute noch daran, dass sie keine wirklich alten Bäume enthalten, obwohl das Waldgebiet an der Stelle eine uralte Tradition haben müsste. Vor allem die schnell sprießenden Birkenwäldchen lassen mit ihrem zarten Grün und Weiß jenen Horror von damals vergessen.

"Bois mitraillé", kriegsgeschädigtes Gehölz, gibt es in Frankreich seit 1919 auf ca. 100.000 ha. Grenzgebiete und Kampfzonen sind besonders betroffen. Einige Plätze sind wegen Minengefahr noch heute gesperrt.

So wachsen diese beschossenen Gehölze heute noch entlang der elsässisch-pfälzischen Grenze zwischen Naturpark Pfälzerwald und Parc Naturel régional des Vosges du Nord, aber auch in den Hochvogesen etwa um Thann. Im Unterschied zu den polnischen Wäldern sind diese jedoch kein "kriegszerstörtes Gehölz", sondern ein "kriegsbeschädigtes Gehölz". Die Bäume stehen nämlich noch. Sie haben sich die Munition regelrecht einverleibt, sind um die Kugeln und Granatsplitter des Ersten und Zweiten Weltkriegs herumgewuchert.

Die Bäume konservieren natürlich auch noch scharfe Munition und allerlei Metallteile von kriegswichtigen Einrichtungen (Foto). Weniger sichtbar sind die toxischen Ablagerungen in diesen Wäldern - im Ersten Weltkrieg wurden auch Chemiewaffen eingesetzt.
Was da so friedlich, altehrwürdig und idyllisch grün wie Balsam auf erholungsbedürftige Städter wirkt, ist für die Holzwirtschaft also eine tickende Zeitbombe.

Solche beschossenen Bäume kann man nicht in die Maschinen der Sägereien stecken - sie würden sofort alles zum Explodieren bringen. Man sieht ihnen von außen nicht mehr an, wo die explosiven Stoffe stecken oder die Metallteile, die für ernsthafte Unfälle auch schon genügen. Ohne Durchleuchten einfach die Säge anzusetzen, wäre gefährlich. So wirken zwei Weltkriege in den grünen Idyllen von heute friedlichen Nachbarstaaten nach. Neunzig Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg endete.

Diese Übersetzung von "bois mitraillé" lässt mich in Ansätzen ahnen, wie viel wertvolle (Über-)Lebenswelt moderne Kriege auf wie lange noch heute zerstören mögen - bis weit in einen Frieden hinein. Aber genauso, wie ich mir nur schwer vorstellen konnte, was hinter den beiden Wörtern steckt, genauso wenig kann ich wirklich das fatale Ausmaß an tickenden Zeitbomben und Kriegsaltlasten ermessen, mit dem Menschen anderswo auf der Welt in Zukunft fertig werden müssen. Die kriegsbeschädigten Gehölze könnten uns Besinnung lehren. Seit neunzig Jahren...