10. Februar 2009

Augen-Schmaus: Milch

Jan Vermeer (1632-1675): Milchausgießende Magd (ca. 1657-60), Rijksmuseum Amsterdam (Bild durch Anklicken vergrößern)


Jan Vermeers „Milchausgießende Magd“ kann man kaum noch unvoreingenommen betrachten, seit eine französische Firma sie zum Logo für Milchprodukte gemacht hat. Auf den Packungen soll sie vorgaukeln, was industrielle Nahrungsmittelherstellung längst abgeschafft hat: den naturreinen, mit Handwerk und Liebe hergestellten Genuss alter Zeiten.

Aber Vermeer ist kein Gaukler. Der Maler, der so meisterhaft mit Licht und Komposition und fast palettenreinen Farben umging, erzählt in seinen Bildern mit Frauengestalten Geschichten aus dem Alltag. Eine in Blau und Gelb gekleidete Magd gießt aus einem Krug Milch in einen Topf. Der fast leere Raum, angedeutet durch zwei Wände auf Eck und ein Stück Fußboden, die meditative, bedächtige Haltung der Frau und die kahle Wand im Licht vermitteln ein Gefühl von Ruhe und Versunkenheit. Nur etwa zwei Bilder im Jahr hat Vermeer gemalt, die lange Beschäftigung mit seinen Sujets hat ebenfalls etwas von Zeitlosigkeit.

Hier gerinnt die Zeit jedoch ausgerechnet in einem Moment, in dem sich etwas bewegt. Licht und Komposition ziehen den Blick des Betrachters dorthin, wo Zeit verrinnt, weil die Milch fließt. Das still wirkende Bild erzählt von einem Geräusch, der scheinbar festgefrorene Augenblick zeigt Bewegung. Vermeer hat die Bewegung in Rundungen übersetzt, die die Komposition wie kleine Wirbel durchziehen. Um den fast unmerklich sich drehenden Strahl kreiseln die Dinge: die Körperhaltung der Magd, die rund fließenden Schürzenfalten, die Rundungen von Broten, Geschirr und dem Geflecht des Korbs.

Der Genuss kommt aus dem Anblick, den Farben, dem erahnten Geräusch und Geruch, den Texturen. Vollkommen wird er durch die Erfahrung einer Momentaufnahme, die mehr zeigt als einen Augenblick. Die Werbung tut so, als stünden die Zeit und die Dinge still. Vermeers „Melkmeisje“ weiß es besser. (Petra van Cronenburg)

Mein Rezept zum Milchschmecken:

PANNA COTTA MIT VOGESENFRÜCHTEN

1/2 l frische Sahne
1 Tüte Vanillezucker
2-3 Blatt Gelatine
frische oder tiefgekühlte rote Früchte (z.B. Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren)
1/2 Glas Kirschwasser
Zucker

Die Sahne mit der aufgeweichten und ausgedrückten Gelatine und dem Vanillezucker unter ständigem Rühren erhitzen, bis sich die Gelatine vollständig aufgelöst hat. Die Masse in kleine gekühlte Formen schütten, erkalten lassen und dann im Kühlschrank fest werden lassen. Wer eine zartere Konsistenz bevorzugt, rechnet nur 1 Blatt Gelatine und gibt die Panna Cotta in möglichst kleine Förmchen, damit sie nicht zusammenfällt.

Vor dem Servieren die Früchte vorsichtig mit dem Zucker erhitzen und mit dem Kirschwasser abschmecken. Die Panna Cotta auf Teller stürzen und mit den Früchten garnieren.
Guten Appetit!

Augen-Schmaus ist ein Experiment, Kunst auf ungewöhnliche Art zu erfahren und die Sinnenlust von Gemälden zu entdecken.
Hat es Ihnen gefallen? Oder fehlt Ihnen etwas, ist es zu trocken, zu langweilig? Würden Sie so etwas lieber als prachtvollen Bildband durchblättern? Oder lieber beim Anblick der Bilder hören? Vielleicht die Rezepte lieber ohne Kunst genießen?
Hinterlassen Sie doch bitte Kritik - positive wie negative - Anregungen und Gedanken in den Kommentaren! Denn Augen-Schmaus macht zu viel Arbeit, um es ins Leere zu produzieren! Danke!

Alle Texte (c) by Petra van Cronenburg, all rights reserved. Verwendung ohne ausdrückliche Genehmigung nicht erlaubt. Zuwiderhandlungen haben juristische Folgen.
The work of art depicted in this image and the reproduction thereof are in the public domain worldwide. The reproduction is part of a collection of reproductions compiled by The Yorck Project. The compilation copyright is held by Zenodot Verlagsgesellschaft mbH and licensed under the GNU Free Documentation License.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich würde mich bekochen lassen und beim Anblick der Gemälde genießen denn im internet fehlt mir der Duft!
H.B. aus Hausach

Petra hat gesagt…

Tja schade - der einzige Kommentar von einer Bekannten (grüß dich!) - bei so wenig Interesse wird die Serie eingestellt, bevor sie richtig begonnen hat...