29. Oktober 2008

Gina Grumbier lebt!

In der abgefahrendsten Klamotte, die mir im Traum nicht eingefallen wäre...

Ich hatte furchtbare Probleme, die Figur der Gina Grumbier so leben zu lassen, dass der Text entsteht. Manchmal behindert einen die totale Freiheit, denn sie hätte ja jeden Typ annehmen können. Aber was passt zu dem, was ich vorhabe? In welchem Typ fühle ich mich wohl?

Es gibt dann manchmal so komische Tage, an denen das Wetter sich grundlegend ändert oder ein Frosch an der falschen Stelle quakt. An solchen Tagen wache ich morgens auf und überliste das Schicksal. Heute war so ein Tag. Ich finde heute Gina Grumbiers Kostüm, das war mal sicher. Ich gehe jetzt und finde es, nahm ich mir vor. So bin ich dann zu Emmaus gefahren, weil ich ohnehin Lust auf Flohmarktstimmung hatte. Ich war ewig nicht mehr da, aber man findet immer irgendwelche seltsamen gebrauchten Klamotten.

Zuerst bin ich in die Möbelhalle und sehe ein Schild, das mir sagt, da hinten fände ein Sonderverkauf von Kleidung statt. Richtig edel haben sie die zwischen alte Schrankwände und Schränkchen drapiert. Eine Deutsche ruft ihrer Mutter zu: Du, guck mal, die verkaufen ja Theaterkostüme! Dachte ich zunächst auch. Denn die Sachen sahen vollkommen verrückt und dadurch schon wieder toll aus. Hatten aber alle den gleichen Stil, Theaterware konnte das nicht sein.

Und dann stehe ich vor einem Paravent und werde zu Gina Grumbier. Gesehen - gefunden! DAS muss ich haben, dringend! Bitte bitte, liebe Theatergötter, macht, dass dieses Ensemble passt! Zwischen zwei alten Schränken konnte man sich umziehen... Irgendwer musste das für mich genäht haben. Passt nicht nur, sondern gibt genug Bewegungsfreiheit zum Spielen. Sogar der Hut passt wie angegossen.

Gina Grumbier sieht jetzt aus wie eine Frau vom Lande, die 1920 in einer von Gitanes betriebenen Boutique eingekauft hat, um in Deauville groß einen draufzumachen. Das ist ein seltsames zweischichtiges Ensemble aus Unterrockstoff mit Spitze, in weiß... mit vollkommen verrückt angebrachten marineblauen Volants mit weißen Punkten. Dazu gehört ein Pariser Stück von altem dunkelblauen Filzhut, der gern ein Borsalino wäre, um den der gleiche getupfte Stoff gebunden werden kann. Sieht noch härter aus als es klingt. Und als ich den Preis für alles gesehen habe, bin ich fast umgefallen: Zwölf Euro. Mein knappes Künstlerbudget juchzte.

Ich war dann natürlich neugierig und wollte wissen, woher diese außergewöhnlichen Klamotten kamen. Das Emmaus hatte sich eine Gaudi einfallen lassen und eine Modenschau veranstaltet. Und da haben die Frauen aus gebrauchten Klamotten Fantasiekostüme geschneidert. Die wurden jetzt verkauft. Mit Schuhen, Handtaschen, Schals...

Abgeguckt haben sie das den großen Modeschöpfern in Paris, die neuerdings in Altkleidersäcken wühlen, um alte oder verrückte Stoffe zu finden und aus den aufgetrennten Teilen Neues zu kreieren. In Strasbourg gibt es sogar einen Laden, wo eine Modeschöpferin mit Gitane-Frauen eigene Kreationen auf diese Art näht. Ich muss die Adresse mal heraussuchen und schreibe auch später noch über unsere herrliche Subkultur: die Emmaus-Mania.

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